Agrotech Valley

Digital Farming im Agrotech Valley

Gestüt Osthoff

„Digital Farming im Agrotech Valley – Ist Landwirtschaft 4.0 der Lösungsweg zur Sicherung der Welternährung?“ so die Fragestellung, die in hochkarätiger Runde Anfang Juni auf dem Gestüt Osthoff, Georgsmarienhütte, diskutiert wurde. Parallel präsentierten innovative Startups und Landtechnikhersteller auf dem Außengelände, dem „Markt der Möglichkeiten“, einige bereits umgesetzte vielversprechende Ergebnisse der Zusammenarbeit von Forschung und Landtechnik. Die Hochschule Osnabrück und das Deutsche Forschungszentrum f. Künstl. Intelligenz (DFKI) machten hier auf weitere spannende Projekte aufmerksam.

Einführungsvortrag

Initiator der Konferenz und Ausstellung ist das seit gut zwei Jahren aktive Netzwerk AgritechNet Nordwest. Nach den Grußworten von Dr. Michael Lübbersmann, Landrat des Landkreises Osnabrück, Harald Emingholz, 2. Vorsitzender der Metropolregion Nordwest und Staatssekretär Stefan Muhle, niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung, stellte Robert Everwand, Clustermanager AgritechNet, noch einmal das vielseitige Netzwerk aus Wirtschaft, Wissenschaft, Forschung und Kommunen dem vollbesetzten Auditorium vor. Eines der gesteckten Ziele ist nicht nur den Begriff „Agrotech Valley“ für die Region vom Teuteburger Wald bis zur Nordseeküste zu etablieren, vielmehr soll durch die Gründung des „Agrotech Valley Forum e. V." eine gemeinschaftliche Basis geschaffen werden.

Klaus Töpfer

Mit Klaus Töpfer, Bundesumweltminister a. D., ehemaliger Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) und Gründungsdirektor des IASS in Potsdam, konnte ein kompetenter Redner gewonnen werden. Sein Vortragsthema „Globale Herausforderungen für die moderne Landwirtschaft“. Das IASS hat sich zum Ziel gesetzt in Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ein gegenseitiges Problemverständnis und übergreifende Lösungsoptionen zu erarbeiten.

Fakten zwingen zur Nachhaltigkeit

Klaus Töpfer verwies darauf, dass der Begriff der Nachhaltigkeit aus der Notwendigkeit heraus geboren wurde. Den sächsischen Bergwerken drohte zu Beginn des 18.Jh. das Bauholz knapp zu werden. Der zuständige Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz formulierte 1713 in seinem Werk "Sylvicultura oeconomica", dass immer nur so viel Holz geschlagen werden solle, wie durch planmäßige Aufforstung wieder nachwachsen könne. Bereits seit dem 16 Jh. galten in viele Regionen Deutschlands Holzordnungen, in denen die Entnahme der Holzmengen festgehalten, Baumfrevel geahndet und Zeiten definiert waren, in denen z.B. Ziegen nicht zur Hude in den Wäldern zugelassen waren. Es ist also die Notwendigkeit unter den tatsächlichen Bedingungen, wie der wachsenden Weltbevölkerung, die zum Handeln drängt. Klaus Töpfer merkte an, dass sich allein in seiner achtzigjährigen Lebensspanne die Weltbevölkerung verdreifacht habe. Parallel habe die zur Verfügung stehende landwirtschaftliche Nutzfläche abgenommen. Beinahe mahnend: die Landwirtschaft in Europa, bzw. in den Industrienationen sei nicht mit der Landwirtschaft in den Entwicklungsländern, mit noch immer überwiegender Subsistenzwirtschaft, vergleichbar. Dort dominiert der bäuerliche Familienbetrieb mit kaum mehr als 2 ha Land. Diese globalen Tatsachen sollte auch die Landtechnik in Deutschland nicht aus dem Blick verlieren.

Prof. Dr. Arno Ruckelshausen

Nach kurzer Pause übernahm Prof. Arno Ruckelshausen von der Hochschule Osnabrück die Moderation der hochkarätig besetzten Diskussionsrunde. Dr.-Ing. Josef Horstmann, Geschäftsführer für Konstruktion und Entwicklung (Krone), Christian Dreyer, Geschäftsführer Amazone und Vorsitzender des VDMA Landtechnik, Prof. Ludwig Theuvsen, Leiter der Abteilung für Landwirtschaft, Agrarpolitik und Nachhaltigkeit in niedersächsischen Landwirtschaftsministerium und Dr. Michael Lübbersmann, Landrat des Landkreises stellten sich den von Klaus Töpfer ausgeführten Thesen.

Thesendiskussion

Global denken, regional Handeln

Grundsätzlich stimmen alle Diskussionspartner mit den von Klaus Töpfer ausgeführten Vortragsthesen überein. Josef Horstmann und Christian Dreyer stellen fest, dass für die Landwirtschaft in den Industrienationen und teils in den sogenannten Schwellenländern ein Trend auszumachen ist, der letztendlich auch in den Entwicklungsländern nicht Halt machen wird: die Anzahl der in der Landwirtschaft arbeitenden Menschen nimmt ab, die Betriebe werden größer. Die Landwirtschaft in den Industrienationen ist nicht nur „Lebensmittellieferant, sondern muss auch den Anforderungen der Gesellschaft, wie Umweltschutz und –standards, Tierwohl und Klimaschutz gerecht werden. Politische Verhältnisse und starre Traditionen in Gesellschaft und Bewirtschaftungsform prägen Landwirtschaft in den unterschiedlichen Regionen der Welt oft stärker als Klima oder Bodenverhältnisse es vorgeben.

Robotik

Daran kann Landtechnik so nichts ändern. Landwirtschaft 4.0 ist ja nicht nur Landtechnik, digitale Datenerfassung und Auswertung. Landtechnik 4.0 basiert auf traditionellem Wissen und Handwerk kombiniert mit den Möglichkeiten der digitalen Techniken. Damit können Arbeitsprozesse präzisiert und Ressourcen eingespart werden. Die hier entwickelte Landtechnik spielt bereits auf den globalen Märkten eine bedeutende Rolle.

Rahmenprogramm

Fazit

Ganz geklärt werden konnte die Frage nicht, ob Landwirtschaft 4.0 ausreicht, um die Herausforderung der Welternährung und eines globalen Umweltschutzes leisten zu können. Einig waren sich alle Beteiligten, dass Landwirtschaft 4.0 einen erheblichen Anteil zur Lösung beitragen kann. Einig war man sich auch darüber, dass Netzwerke aus Forschung und Wissenschaft, Herstellern, Praktikern und Politik notwendig sind, um aus möglichst vielen Perspektiven Entwicklungen zu beobachten, einzuordnen und daraus Schlüsse zu ziehen.